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Das fast ein
Jahrhundert alte Haus Nr. 31 am Lloydbrunnenweg birgt eine wechselvolle
Geschichte. So wurde es Ende des 19. Jahrhunderts um eine zuvor entdeckte
Mineralquelle herum als Förderungshalle für das Quellwasser
gebaut. Auch Sprudel und Likör sollen dort hergestellt worden sein.
Später diente das Gebäude den Nationalsozialisten. Im zweiten
Weltkrieg soll es zeitweise als Munitionslager genutzt worden sein. Hemmingens
Historikerin Anke Sawahn hat der Geschichte des sogenannten" Lloydbrunnen
nachgespürt und bis auf wenige Lücken ein Gesamtbild darüber
zusammengefügt.
Auf einem Gelände westlich von Devese, das 1876 in den Liegenschaftsbüchern
des Niedersächsischen Staatsarchives erstmals unter dem Flurnamen
"Die alte Tubbe" auftaucht, wird Ende des 19. Jahrhunderts eine
Mineralwasserquelle entdeckt, vermutlich als Arbeiter einer der umliegenden
Ziegelei in Arnum, Harkenbleck, Hemmingen, Ihme oder Roloven dort Ton
abstechen.
Das sprudelnde Quellwasser kommt mit Kohlensäure versetzt in grünen
Glasflaschen auf den Markt. "Leider besteht hier eine Lücke,
die keine genauen Rückschlüsse auf das Jahr zuläßt,
in der die Quelle gefunden und das Wasser vermarktet wurde", bedauert
die Historikerin.
So wechselt das Gelände seinerzeit mehrfach den Besitzer. In den
Liegenschaftsakten von Devese wird erstmals als Eigentümer von 1879
bis 1881 der Binnenschiffer Eduard Baertling aus Hannover genannt. Er
verkauft das Land an den Bremer Kaufmann Heinrich Kaestner. Vermutlich
ist es auch Kaestner, der 1893 eine Betriebshalle mit Förderturm
und Wohnhaus um die Mineralwasserquelle baut. Bereits ein Jahr später
übernehmen dann der Bremer Gutsbesitzer Jacob Schierenbeck und dessen
Sohn Werner das Grundstück mit Betriebs und Wohngebäude.
"Unter Schierenbeck hat sich die Mineralwasserfabrik vermutlich zu
einem blühenden Unternehmen entwickelt", meint Frau Sawahn.
So sollen dort damals auch rund 20 Frauen aus Devese gearbeitet haben.
Die Historikerin nimmt an, daß es der Bremer Gutsbesitzer war, der
das Mineralwasser aus Devese erstmals in Flaschen abfüllt und es
als Trinkwasser für Schiffsreisen verkauft.
Die Firmenbezeichnung "Lloydbrunnen" findet sich erstmals im
Jahre 1897 im Handelsregister der Stadt Hannover. "Den Namen für
seinen Betrieb könnte der Bremer Schierenbeck bei der in der Hansestadt
ansässigen Schiffahrtsgesellschaft Lloyd entlehnt haben'.', nimmt
die Historikerin an. So ist ihrer Ansicht nach auch die heute oft zu findende
Schreibweise "Loydbrunnen" mit nur einem "L" falsch.
1903 wird die Handelsgesellschaft J.Schierenbeck und Co gegründet,
die noch bis 1917 im Handelsregister steht.
Eine wichtige. Auskunftsquelle über Devese ist für die Historikerin
der ehemalige Lehrer Friedrich Völksen. Der 91 jährige kann
sich noch gut an die Wasserflaschen erinnern, in denen das Lloydbrunnenwasser
verkauft wurde. "Das waren grüne Glasflaschen mit einem Schraubverschluß
aus Hartgummi" , erzählt er. Er habe 1910 als Kind beobachtet,
wie der im Schierenbeckschen Unternehmen eingesetzte Direktor Henker,
der sich das Leben genommen hatte, heimlich an der Friedhofsmauer in Devese
verscharrt wurde, erinnert sich der 91jährige. Um die Zeit des Ersten
Weltkrieges habe die Fabrik auch Limonade mit dem Namen "Sisi, der
Labetrunk" hergestellt.
Der spätere Direktor Alwes übernimmt vermutlich einige Jahre
nach dem Tod des alten Schierenbeck 1918 die Mineralwasserfabrik von dessen
Sohn. Dann wechseln ständig die Besitzer.
1923 heißt das Unternehmen noch Lloyd KG Alwes und Kompanie, ein
Jahr später ist es schon als Likörfabrik Lloyd AG im Handelsregister
zu finden. Im Jahre 1925 werden Grundstück und Gebäude von der
Bergbaugesellschaft Robertshall übernommen, vier Jahre später
für schätzungsweise 10000 Reichsmark von dem Bankier und Konsul
Louis Jacoby aus Dortmund gekauft.
Vermutlich versiegt die Mineralwasserquelle in den Jahren danach. Die
Lloydbrunnenfabrik wird geschlossen. Schließlich gehen Grundstück
und Betriebsgebäude 1930 in den Besitz der Gemeinde Devese über.
Aus alten Protokollbüchern der damaligen Gemeinde Devese hat die
Historikerin die Geschichte des Llodbrunnens in den darauffolgenden knapp
60 Jahren
zusammengetragen. So verpachtet. dieGemeinde Grundstück und Gebäude
im Laufe der Zeit an mehrere Besitzer, unter anderem von 1933 bis 1935
für 30 Reichsmark monatlich an die Motorstaffel der NSDAP und anschließend
an den Bund Deutscher Mädchen. Die Munitionsfabrik Empelde soll einige
Zeit im Zweiten Weltkrieg ein Lager gehabt haben, wie sich Völksen
erinnert. Die Gemeinde Devese erlaubte jedoch wegen des schlechten Zustandes
des Weges niemals, daß sich dort ein Gewerbebetrieb ansiedelte.
Vor rund 25 Jahren wurde das Grundstück mit dem inzwischen baufällig
gewordenen Gebäude von Wilhelm Schönemeyer und dessen Sohn gekauft
und zum Wohnhaus umgebaut. Horst-Dieter Schönemeyer findet sich nun
am Schluß einer langen Reihe von Besitzern des alten Lloydbrunnens.
Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 5.11.1989

Im Staatsarchiv von Hannover sind folgende Besitzereintragungen vorhanden:
1879/80 Baertling Eduard, Partikulier zu Hannover
1886 Chornitkow
Fr. Fabrikant
1895 Brienler
E. u. Co Kommanditgesellschaft - Barbarossabrunnen Bremen
???? Lange Köthner
Wettbergen
1899 Schierenbeck
Jakob Gutsbesitzer zu Bremen
1925 Bergbaugesellschaft
Robertshall GmbH Hannover - Theaterstrasse 8
1929 Jacobi Louis
Bankier und Consul in Dortmund
1930 Gemeinde
Devese Gesamtgröße 2161 Qm
1941 Hatesur Dora
Gemüsehändlerin
1964 Schönemeier,
Wilhelm/Arbeiter und Beckmann, Wilhelm/Gemüsehändler
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